Presse


NDR Kultur, 19.03.2015:

[...] Im Buch ist Rahling zunächst eine falsch geschriebene Adresse, dann der Name einer norwegischen Insel. Christine Kappe, die 2013 ihre erste Gedichtsammlung vorgelegt hat, ist es gewohnt, die Bedeutung von Wörtern zu ergründen und mit ihr zu spielen. Verdichtete Sprache findet sich auch im Buch.
Die Kapitel verbindet sie geschickt durch ein gemeinsames Stichwort, bei gleichzeitigem Szenenwechsel. Auf diese Weise wird der Leser - wie im Film - elegant durch den Plot geführt. Etwa, wenn der Kommissar auf der Polizeiwache zunächst davon spricht, mit dem Rauchen aufzuhören und sich in der nächsten Szene mit Glimmstengel auf dem Sofa wiederfindet.
Christine Kappe ist ein gut lesbarer Roman mit Lokalkolorit gelungen, der gleichzeitig eine Persiflage auf den Krimi darstellt. Denn obwohl Kommissar Athlon aus Hannover antriebsschwach ist, löst er en passant andere offene Fälle und wird unerwartet befördert. [...]
(Agnes Bührig)


Fixpoetry.com, 01.03.2015:

[...] Aber man darf von Christine Kappe keinen gewöhnlichen Krimi erwarten. Das Buch bietet keinen gewöhnlichen Kriminalfall und keinen gewöhnlichen Kommissar und keinen gewöhnlichen Plot. Es ist ironisch und witzig und verzweifelt und wüst und trashig und poetisch. Es paßt in keine Schublade. Im Grunde erzählt es nicht mal eine Geschichte von A nach B, sondern es reißt viele verschiedene Geschichten an und läßt manche davon wieder fallen, ratscht bei einigen nur an der Oberfläche und geht bei anderen in die Tiefe. [...]
(Bert Strebe)


Fixpoetry.com, 06.12.2013:

[...] – So erinnern ihre von Klang und Wortwahl her unverstellten, von der Form her Miniaturen ähnlichen (und selbstbewusst originären) Gedichte mehr an die Malerei der Sachlichkeit denn an ihre Literatur: stille, zum gemächlichen Betrachten einladende T[]ableaux ([…] die ich / heute unter einem Himmel liege / der sich – aus mir unerklärlichem Grund – / zurückgezogen hat / und nun als kleines Quadrat / links oben in der Ecke hängt), deren optische Kargheit keinen darüber hinwegtäuschen sollte, dass hier mit Sorgfalt und Bedacht zu Werke gegangen wurde – und das dem, was wie ein Rahmen wirkt, das Beste gelingt, was sich von einem Gedicht behaupten lässt: dass es ein Fenster in einen anderen Raum eröffnet (den Hof, die Straße, den Park: Fenster schauen in Fenster, wo geht es hinaus? – Und natürlich sind manche dieser Fensterscheiben bunt gemalt [...]
(Caroline Hartge)


KUNO - Kulturnotizen zu Kunst, Musik und Poesie, 06.12.2013:

„Alles noch Handarbeit"
[...] Mit ihrem Schreibstil setzt Kappe auf einen subjektiven Ton und verfremdet das Material so das es den Leser auf das Abseitige lenkt.  Die Echtheit der Worte wird von ihr betont, Sprache dient nicht nur der Beschreibung des Gesehenen, sondern der Beschreibung der allen Dingen innewohnenden Dynamik. Ihre Sprache schafft Nähe, Verbindungen, ermöglicht Austausch – ebenso aber schafft sie Distanz, in jeder Abstraktion liegt eine Abwehr, in der die Dinge in Ordnung gebracht liegen, sich in klarer Weise zueinander verhalten. Auf diese Weise bohrt sie sich in die Wirklichkeit [...]
(Matthias Hagedorn)


Unser Dorf liest, 30.10.2013:

„Macht unsere Bücher billiger!" so Kurt Tucholsky 1932 in einem Brief an seinen Verleger Ernst Rowohlt. Zuvor hatte ein Oberrealschüler an den Schriftsteller und Journalisten geschrieben, er möge recht bald sterben, "damit Ihre Bücher billiger werden (so wie die von Goethe zum Beispiel). Ihr letztes Buch ist wieder so teuer, das man es sich nicht kaufen kann." „Macht die Bücher wertvoller!“ so könnte man mit Peter Marggraf aus Bordenau rufen. Sein jetzt in seiner San Marco Handpresse neu erschienenes Buch von Christine Kappe „Wie kann das sein“, Gedichte und eine Radierung von eben Peter Marggraf, ist an Kunstfertigkeit nicht zu übertreffen [...]
(Martin Drebs)


Berichte aus der Werkstatt, Herbst 2013:

Fordernd, frisch und voller Achtsamkeit – Die Gedichte von Christine Kappe in der San Marco Handpresse
[...]Christine Kappe bewegt sich mit einem wachen Blick im Zentrum der Städte wie an deren Rändern („Stadtstrand“ heißt eines der Gedichte); aber ihre Beobachtungen sind nicht beliebig wie die eines interesselosen Flaneurs, sie bleibt vielmehr inmitten der urbanen Szenerie („Fenster schauen in Fenster, wo geht es hinaus?“) aufmerksam für die Rest-Natur, für die vereinzelten Städtebewohner („Eine Frau zerteilt Pfützen mit dem Kinderwagen …“) und für das, was sich vor dem Fenster abspielt: „Die Kinder schreien auf der Straße. Wird jemand gequält? Von den Kindern? Oder spielen die nur?“ Das mag sich zunächst fast schnodderig lesen, und Sentimentalität ist gewißlich kein Merkmal dieser Texte, aber es kommt bei allen vermeintlichen Distanzierungsgesten doch aus einer die Schreibhaltung bestimmenden Sensibilität, Anteilnahme und Achtsamkeit.
(Hans Georg Bulla)


Hannoversche Allgemeine Zeitung, 17.10.2013:

[...] Die hannoversche Autorin, 1970 in Einbeck geboren, legt ihren ersten Gedichtband vor. "Wie kann das sein", heißt er und man könnte den Titel gleich auf das Buch selbst anwenden. Denn man mag es nicht glauben. Eine solche ausgearbeitete, schlicht-geschliffene Sprache bei einer Debütantin? Kein Auftrumpfen, keine großen Gesten, nur kleine, stille Bilder in einer Art verhaltener Tiefenschärfe: "Wie kann es sein, daß man das halbe Leben lang für etwas / kämpft und dann telefoniert der Nachbar auf dem unteren / Balkon alles kaputt, mit ganzer Stimme [...] Es ist der Künstler Peter Marggraf, der das Werk in seiner San Marco Handpresse in Neustadt-Bordenau hergestellt hat. Jedem Exemplar liegt eine Radierung von Marggraf bei. Sie zeigt zwei quasi übereinandergelegte Gestalten und heißt "Zwischen den Stimmen". Was gut zu den Texten von Christine Kappe mit ihren Verschiebungen von der Realität ins Reale passt [...]
(Bert Strebe)


Nordhannoversche Zeitung, 07.06.99:

HAUS DER JUNGEND. Am Anfang steht das Cello. Doch der Klang ist nicht sauber. Die Musikerin reibt und poliert die Saiten, bis sie schwingen und klingen. Sie summt, im Raum wird es still. Die Cellistin spielt eine Tonleiter, spricht mit ihrem Instrument in leisen Tönen. Ein Mann betritt die Bühne, stört den Dialog. "Hallo." Die Stille verfliegt, das Cello wird laut, unangenehm. "Hallo?" Eine Frau kommt hinzu. "Variationen über die Stille", eine szenische Lesung mit Musik, läßt den Zuhörer der Stille da begegnen, wo er sie nicht vermutet. In einer italienischen Kneipe. Auf einem Anrufbeantworter.Die Texte von Christine Kappe, vorgetragen von Ralf E. Klaß, der Cellistin Corinna Eikmeier und der Autorin selbst habe eine eigene Intensität, zwingen zum Zuhören. Variantenreich, dabei klar und manchmal an der Grenze zum Absurden entwickeln die Worte ihren eigenen Reiz. [...]
(Mönkemeyer)


Anzeiger für Burgdorf, Mai 1999:

[...] Mit viel Sinn für Humor und Skurriles, immer den absurdesten Wortbezügen auf der Spur, hat Christine Kappe eine surreale, fast platonische, Siebenecks-Beziehungsgeschichte geschrieben. Aus Sicht der Erzählerin lernt man sechs Männer kennen. Den Nachbarn zum Beispiel hinter seiner Fensterscheibe, vis-à-vis, dem sie selbst die Stimme gibt, um Gedanken mit ihm auszutauschen. Oder Södan mit der glatten Haut, der aus dem Meer kommt, wo es am tiefsten ist: "Die Fischen in seinen meerblauen Augen fraßen sich gegenseitig die Köpfe ab." Und da zeiht sich die Ich-Erzählerin selbst der "Taktlosigkeit der Erinnerung". Am Ende verliert der Zuhörer den Boden unter den Füßen, als sich die Frau als Erfindung ihrer sechs Männer zu erkennen gibt. [...]
(mal)