Prosa




Roman:

RAHLING - (Kriminal)Roman

Was wäre wenn... eine schöne Frau ermordet wird und im Sterben noch das Wort „Rahling“ sagt, das niemand kennt? Müsste man nicht verrückt werden? Und wie müsste derjenige Mensch beschaffen sein, der nicht daran verrückt würde?

Pop Verlag Ludwigsburg 2014
ISBN 978-3-86356-095-9

Erzählungen:

VOM ZUSTAND DER WELT UM 4 UHR 35 - Erzählungen und Essays, mit 6 Bildern von Irene Klaffke

Träumend und nachdenkend durchwanderte ich einige Jahre die Stadt. Vor allem nachts zeigt sie ihr wahres Gesicht, wenn Lärm und Glanz verschwunden sind und den Blick auf das Wesentliche frei geben. Die Traumwelt ist nicht bizarrer als die Realität. Und die Realität - ist sie nicht bloß eine Attrappe?

"... wenn immer irgendwo ein paar schlafende Menschen umherläge, wäre die Welt wohl ein bisschen besser. So wie bei uns zuhaus."

Inhalt:

Pop Verlag Ludwigsburg 2016
ISBN 978-3-86356-123-9

Kurzgeschichten:


Zwischenzeilen

Kurzfassung des Textes »Westend« in:
ZWISCHEN//RÄUME. Die ersten 100 Jahre Bahnhofsmission Hildesheim
(Hildesheim, 2015)
ISBN 978-3-00-048405-6


Straßenverzeichnis einer Springerin

… Auf der Straße, die mit Kopfsteinpflaster […] überkratert ist, wirbeln Baumaschinen herum wie wildgewordene Tiere. Von rechts biegt jetzt die Müllabfuhr ein und von links ein PKW, dicht gefolgt von einem Lastwagen mit amerikanischen Dimensionenen, der sich bereits das Dach an den tiefhängenden Ästen der Kastanien aufgeschlitzt hat und nun weiter will, auf Teufel komm raus, sonst hat sich das ganze ja nicht gelohnt. Der Fahrer des PKW stellt den Motor aus, zündet sich eine Zigarette an und lässt die Eindrücke von seiner ersten, nichtbestandenen Führerscheinprüfung revuepassieren: diese Konstellation hätte selbst seinen - vor allem in Astrologie - erfahrenen Fahrlehrer zu Fall gebracht…
Und ich? Kann nicht anders: kann ja nicht das Handtuch schmeißen, schmeiß mich ins Getümmel, stell mein Rad dort ab, wo gerade Platz ist, jenseits aller Verkehrsregeln, flüchte ins nächste, posthabende Haus. Fieberhaft suche ich nach einem Grund hier länger zu verweilen als ich eigentlich muss, lese Postkarten, lese die Aushänge […] Zurück auf die Straße, wie hat sich die Szene verändert? Der Lastwagenfahrer spricht mit Herrn Niebuhr, Eigentümer in der 41, von dem wir zwar einen Schlüssel haben, aber mit dem Vermerk: "Unbedingt nachher wieder zuschließen. - "Der hätte hier gar nicht erst reinfahren dürfen." "Ich auch nicht", erwidert der PKW-Fahrer, raucht und hängt weiter seinen Erinnerungen nach. Der LKW-Fahrer ist einen Kaffee trinken gegangen. Die Müllabfuhr macht den Rest der Straße zu Fuß. Gelassen schlendern die braungebrannten, kräftigen Männer über die zu einer Kriegslandschaft gewordenen Straße.

in: Trotz alledem, Anthologie Hrsg. Reinhard Rakow, Vechta 2013


Ein Tag - ein Tryptichon

… Der Weg zum Bahnhof jedesmal in Eile:
- Vorbei an Kellern, aus denen es nach Schimmel riecht. (Den Geruch kenne ich inzwischen. (Die ganze Stadt ist schon unterwandert.)
- Über die U-Bahn. Geht man über ein Gitter, durch das der Fahrtwind bläst. Riecht angenehm. Nach Maschinenöl. Phosphorisierendes Licht.
- Der Penny-Markt: ein Schwall von Luft, von Wärme, von Süßlichem, was Kinder mögen.
- Der Tao-Buchladen ist um diese Zeit noch nüchtern.
- Der neue Billig-Bäcker hat schon auf. Riecht lecker, natürlich sehr gewöhnlich. (Morgens gelten andere Gesetze. Denkt man, der hat gesunde Brötchen, nicht maschinengefertigte, nicht weiße (morgens denkt man auch, man könne wieder rauchen, & es sei nichts weiter, als
- Gewürze, die da in der Luft hängen, & auf jeden Fall angenehmer als
- diese Inseln aus Parfum, von Leuten, die den Geruch der Nacht zu vertreiben suchen (& mit ihrer Eile die Langsamkeit der Nacht. Auch ich laufe ihr gerade davon:
- der Nacht
- der pafürmierten Passantin) ...

Eine und derselbe Tag wird aus der Sicht einer Mutter, eines Vaters und eines Babys erzählt.

Urlesung mit Thomas Bothor und Caroline Hartge im "Kaminzimmer", Hannover 2007 / in: Mit Sprache über Sprache, Beiträge zum Landschreiberwettbewerb, Leipzig 2013


Regen

(…) Der Regen ist fort, und nur das Wasser hüpft noch die schwarz-roten Dachziegel hinunter, als wären es Treppenstufen; auf einem Bein versteht sich. Glänzt in der sich noch für einen Moment durch die Wolken kämpfenden Abendsonne.

in: Egon-Naturgeschichtebuch, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2010


Briefe aus dem Tal der Musen

(…) Zwischen Peramos und Athen: Industrie, Öl im Meer, Tanker, zwischen Archanä und Tatoi: vergammelte Feigenkakteen, zwischen Kapandriti und Aulon: Steinbrüche, stehendes Gewässer, zwischen Schimatarion und Theben: umwölkte Berggipfel, weiter mit dem Bus (-fahrer trägt Sonnenbrille trotz fehlender Sonne), zwischen Leuktra und Chostia: staksen Agaven, Wutanfall von Barnie, Regen, Nebel verdeckt den Golf von Korinth, (…)

in: Fliegenfalter Nr. 34 , Hannover 2009 / CD (Lesungsmitschnitt)


Kind

Du stehst auf der Treppe, kannst schon allein runtergehen, auch wenns lange dauert, willst nicht, dass Mama dich trägt, siehst ein Mädchen, kaum älter als du, mit schokoladeverschmiertem Mund, 'kommst du mit inn Sand?', große braune Augen, küsst dich, sagt 'i', du sagst auch 'i', lachend werft ihr das 'i' hin und her (…)

in: Stadtkind 10, Hannover 2008 / 3. Platz beim Stadtkind-Literaturwettbewerb 2008


Weiß 5

Was war das für ein Weiß, welches Inga K. umgab? Sie kam 10 Minuten später zum Gleis, an dem sein Zug ankam, weil sie sich noch die Wimpern färben musste. Man sah es allerdings kaum, denn Inga war von Natur aus sehr schön: Die eh schon dunklen Wimpern über den stechend grünen Augen kontrastierten mit dem weißblonden Haar und der hellen Haut. Aber das war es nicht, was Mock mit dem Weiß meinte. (…)

in: Laufschrift, Magazin für Literatur, Nr. 16, Fürth 2005


Rot 6

Eines Tages kam ich nachhause & fand 2 Kaninchen in meiner Wohnung vor: eins war tot und lag in seinem eigenen Blut. Jemand hatte es offenbar mit meinem Fahrradschloss erschlagen, welches neben der Tierleiche lag. Das andere Kaninchen hingegen war sehr lebendig und knusperte munter an meinen Möbeln.(…)

in: Laufschrift, Magazin für Literatur, Nr. 16, Fürth 2005


Der endliche Automat

Unser Planet ist eine sich ständig drehende Autoreklame, unser Herz ein endlicher Automat.

in: Laufschrift, Magazin für Literatur, Nr. 16, Fürth 2005


Eine Menge möglicher akzeptierender Zustände

Viele Menschen glauben, dass sie durch Heiraten in eine andere Welt gelangen. Was sie aber nicht wissen, ist, dass dies in Wirklichkeit durch ›bewegtes Weiß‹ geschieht. (…)

in: Laufschrift, Magazin für Literatur, Nr. 16, Fürth 2005, auch Teil eines Essays in: Kulturnotizen, 2012, ISSN 1869-9383


Diese Jogger

“Diese Jogger! Haben alles nichts im Kopf, haben alles verlaufen.”

in: Fliegenbuch, Schöneworthverlag, Hannover 2004, auch Einzelveröffentlichung als Fliegenfalter Nr. 5


Begegnung mit Helena

mir ist es so wichtig, hier zu sein. warum hat mir denn niemand bescheidgesagt. & du. wie konntest du mir so viel Angst machen. ich kenne dich doch gar nicht & dennoch habe ich das Gefühl, dir schon alles erzählt zu haben. weswegen auch mein Erzählen nur ein Erzählen um des Erzählens willen ist. und du es merken musst. ja das schlimmste ist ja, dass du es merken musst. & dass du mich anstarrst dabei, als merktest dus nicht. oder als merktest dus doch. ich kanns ja nicht wissen, ich schaute ja weg.

in: Fliegenbuch, Schöneworthverlag, Hannover 2004, auch Einzelveröffentlichung als Fliegenfalter Nr. 5


Die Nacht zwischen Sommer und Herbst

dass die Sonne im Osten untergeht, im Sommer. die Langsamkeit. lerne ich von Dir, das Wachsen. ich sorge mich um die Pflanzen. das Haus ist leer. du fährst in die Türkei. vielleicht sollte ich mit in die Türkei fahren. ich meine hier. hier, in meine Türkei. was brauche ich an Gepäck. ein Zettel, ein Stift. & schon bin ich bei dir. adieu

in: Laufschrift, Magazin für Literatur, Nr. 10, Fürth 2001


wo bleibst du nur, liebster

wo bleibst du nur. liebster. alles ist wohl aus einer Unachtsamkeit heraus entstanden. in einer der größten Städte wollten wir uns treffen. das allein war wahrscheinlich schon anmaßend: die Größe der Stadt und die Größe unserer Liebe. es ist zum Weglaufen. aber wo würde man ankommen? die Erde ist ja doch nicht rund. nur eine optische Täuschung durch die Strahlen der Sonne.(…)

in: Tränen, eine Anthologie, Geest Verlag, Großenkneten 2000 (siehe auch: Hörspiel Westeck)


In Ägypten

… Sie hinterließen nichts, außer das Wort „Betrüger“, das wir nicht kannten und von dem wir annahmen, dass es der Name des Landes war, aus dem sie gekommen und in das sie nun wieder verschwunden waren.

in: Am Erker, Zeitschrift für Literatur, Nr. 36, Münster 1998


Wer gräbt die Falten in unsere Gesichter

in: Mosaik (zusammen mit Valis, Isernhagen) Zeitschrift für Literatur und Kultur, 2, Berlin 1996


Es ist nicht so

in: Mosaik (zusammen mit Valis, Isernhagen) Zeitschrift für Literatur und Kultur, 2, Berlin 1996


Wir lagen alle erschossen umher

in: Mosaik (zusammen mit Valis, Isernhagen) Zeitschrift für Literatur und Kultur, 2, Berlin 1996


Eine Sonnenfinsternis

"Sonnenfinsternis ist nicht gleich Sonnenfinsternis, kann man sie doch von verschiedenen Orten der Erde aus beobachten. Und man wird immer irgendwo den Mond direkt vor der Sonne sehen, und irgendwoanders die Sonne direkt vor dem Mond." "Sie haben recht, Herr Mock, das wird viel zu wenig beachtet…" Den Tisch, an dem wir saßen, hatte ich selbst gebaut. Die Beine mit dicken Schrauben verlängert, weil das Holz nicht gereicht hatte. Die Platte war deswegen auch nur ungefähr so groß wie ein Schachbrett. Als Mock sich jetzt aufstützte und sich zu mir vorbeugte, ächzte dieser Tisch bedenklich, so dass ich mich sehr anstrengen musste, um verstehen zu können, was er mir zuraunte: "Nun ja - wir hier haben jedenfalls eine richtige Sonnenfinsternis. Und anlässlich dieses besonderen Ereignisses dürfen Sie heute hinausgehen." "Für einen ganzen Tag!?" "Oder für eine ganze Nacht. Wie mans nimmt." Er beugte sich zurück und gluckste vor innerlichem Lachen. "Woher soll man das denn wissen." "Sie wissen doch sonst immer alles, Herr Mock.", wandte ich ein und musste auch lachen. Worauf er sofort verstummte und ernst wurde. "Wer hat gesagt, dass Sie jetzt lachen sollen! Noch dazu an einer Stelle, wo es gar nicht passt, denn es liegt kein Witz vor." "Ich weiß doch nicht so genau, was lustig ist." erwiderte ich und schaute auf die Tischplatte nieder, "und lache nur zuweilen… Um die Gesichtsnerven zu trainieren." "Das kann ja jeder sagen." "Vielleicht… habe ich auch nur gelacht, weil …nun: weil Sie lachten." Mock erhob sich und kam um den Tisch herum auf mich zu. Wahrscheinlich, um mich an den Ohren zu ziehen, wie er das immer zu tun pflegte, wenn ich etwas sagte, was ihm nicht passte. Ich stand auf, wich ihm aus, er hinter mir her. Wir begannen um den Tisch herumzulaufen. "Ich lachte ja aus einem anderen Grund als Sie." sagte er und kam ein bisschen aus der Puste. "Moment mal" protestierte ich, "Sie lachten über meine naive Fragen - ich lachte über Ihr Unwissen. Sie werden mir zustimmen, dass das dasselbe ist." "Nein, ganz und gar nicht. Sie haben mal wieder nicht aufgepasst, scheints. Es handelt sich vielmehr um zwei verschiedene, nicht miteinander zu vereinbarende, Sichtweisen ein und derselben Sache. Ähnlich wie… bei der Sonnenfinsternis. - Können Sie mir folgen?" "Zugegeben: nur schlecht." "Versuchen Sie es!" Ich hielt mich am Tisch fest, lief aber weiter, so dass sich der Tisch mitdrehte. "Aber…", begann ich, "die Erde… muss sich doch auch irgendwo befinden… ich meine…" "Ach sie - sie dreht sich nur. - Hier wäre Ihr Lachen übrigens angebracht." …

in: Mosaik (zusammen mit Valis, Isernhagen) Zeitschrift für Literatur und Kultur, 2, Berlin 1996 / in: Vom Zustand der Welt um 4 Uhr 35, Pop Verlag, Ludwigsburg 2016 (siehe auch Einzelveröffentlichung oben)


Straßenmaler

Es gibt eigentlich nur zwei hauptberufliche Straßenmaler in London und mit einem von ihnen saß ich eines Tages in einem Pub am Trafalgar Square. Durch die gelbmilchigen Fenster drang nur mühsam das Licht des Wintervormittags…

1993 / musikalische Lesung mit Corinna Eikmeier, Teehaus Emma, 2012 / Hörprobe


Beunruhigender Trommler

In der Höhe winken Dachrinnen zipflig als windlose Wetterfahnen; manche stoßen auch grellen Rauch aus, der, mit sich selbst im Widerstreit, ob er sich nun zu Schwarz oder Blau verdichten soll, zerrissen durch die warme Luftgasse flitzt.

1992/ zu dem Bild Himmelsstürmer / 2013 auf www.der-goldene-fisch.de


Libellen

Als Blume weiß ich, was Libellen sind, doch ich sehe sie nur, wenn ich es wirklich will. Insofern muss ich gar nicht an ihnen sterben.

1991 / Lesung und Ausstellung "Geschenkte Schönheit" mit Irene Klaffke (Aquarelle) und Maria Marsal (Fotos, Collagen) im Kloster Marienwerder 2012


Die Größe der Rose

Mein Blick verfitzte sich zwischen allerhand unsinnigem Müll, der sich auf dem Grund des Straßenaquariums gesammelt hatte. Der Fußgängerstrom umspülte mich geschmeidig, wie eine Sandbank.

1990 / Autorenlesung in der Dorff-Gärtnerei Ilten mit geplantem Buchprojekt 2011